Aktuelles Interview in <br>der „TextilWirtschaft”:

„Die Masken werden uns dieses und nächstes Jahr begleiten“

20.000 Masken am Tag. Der Sondermaschinen-Hersteller Ziegler+Schenk beliefert normalerweise die Automobilindustrie, hat nun jedoch eine Maschine für die Fertigung von Behelfsmasken konzipiert. Die ersten Käufe sind abgewickelt, die Nachfrage ist groß. Nun arbeiten die Göppingener bereits an einem Upgrade für das neue Gerät und stehen mit der Regierung bezüglich Fördergelder in Kontakt. Ein Gespräch mit Geschüftsführer Christian Jaissle.

TW: Herr Jaissle, Sie bieten seit Kurzem vollautomatische Maschinen für die Herstellung von Mund-Nase-Masken an. Wie kam es dazu?
Christian Jaissle: Wir beliefern normalerweise vorrangig die Automobilindustrie, allerdings ist dieser Bereich und der Maschinenbausektor allgemein aktuell rückläufig. Daher haben wir nach einer Lösung gesucht und uns entschieden, Maschinen zur Herstellung von Masken zu konzipieren. Der Prozess von den ersten Ideen bis zum fertigen Prototypen dauerte acht Wochen. Ein Gemeinschaftsprojekt mit unserem Schwesterunternehmen KMF.

Mussten Sie bei Null beginnen?
Wir kommen aus dem Sondermaschinenbau, KMF ist auf Nähautomationen spezialisiert. Gemeinsam haben wir über 50 Jahre Erfahrung und konnten beider Entwicklung auf einige bereits bekannte Prozesse zurückgreifen, mussten jedoch Teile der Konstruktion auch vollkommen neu denken.

Wie arbeitet Ihre Maschine?
Unsere Kunden können Masken in mehreren Breiten von 160 bis 200mm herstellen, also sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Außerdem kann das Faltmuster variiert und etwa zwischen einer drei- oder viermaligen Ablage gewählt werden. Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen bei der Fertigung von Behelfsmasken. Während beispielsweise viele Hersteller ihre Produkte mit Ultraschall schweißen, haben wir uns für einen Nähvorgang entschieden, da hier unsere Stärken liegen. Allerdings gibt es bei unserer Konstruktion die Möglichkeit, die Mund-Nase-Masken bei der Verarbeitung heiß zu schneiden. Dadurch entfällt das seitliche Umnähen des Stoffes, der dank der Behandlung mit Hitze nicht ausfranst.

Der gesamte Prozess läuft vollautomatisch ab?
Genau, denn wir haben bei der Entwicklung bewusst auf eine einfache Funktionsweise gesetzt. Der einzige händische Schritt ist das Einlegen und Auswechseln der Stoffspulen. Verwendet werden Spulen mit rund 1500m Stoff. Die meisten Unternehmen werden wohl Baumwolle oder Baumwoll-Gemische für die Herstellung von Masken nutzen. Allerdings können unsere Maschinen unterschiedlichste Materialien verarbeiten. Und sollten Hersteller lizensierte Stoffe verwenden, können sie die mit unseren Geräten hergestellten Masken auch als medizinische Produkte lizenzieren lassen.

Auf welche Kosten und Lieferzeiten muss ich mich einstellen, wenn ich eine Maschine bei Ihnen bestelle?
Pro Gerät fallen mindestens Kosten von 100.000 Euro an, je nach Ausführung etwas mehr. Die aktuelle Lieferzeit beläuft sich auf sechs bis acht Wochen. Wir bieten auf Wunsch auch einen Full Service mit Aufbau und Inbetriebnahme an.

Sind Sie mit der Nachfrage zufrieden?
Ja, sehr. Wir haben bereits für drei Maschinen einen Kauf abschließen können und sind mit vielen Firmen im Gespräch. Die meisten sind in Deutschland ansässig oder kommen aus Österreich sowie der Schweiz, doch uns hat auch schon eine Anfrage aus Brasilien erreicht. Das Thema macht gerade die Runde. Einige der Interessenten stammen auch aus der Mode- und Textilbranche. Unternehmen, die bereits Erfahrung mit Nähprozessen haben, müssen ihre Mitarbeiter für die Produktion mit unseren Maschinen nicht schulen. Auch sonst gibt es keine speziellen technischen Voraussetzungen, um den Prozess zu implementieren.

Welche Stückzahl können Unternehmen produzieren?
Aktuell fertigt unsere Maschine rund 15 Masken in der Minute und über 20.000 am Tag. Wir arbeiten jedoch daran, sie weiterzuentwickeln und die Kapazität auf 30 bis 60 Masken pro Minute zu steigern. Die Regierung hat Fördermittel angekündigt, um die Produktion von Behelfsmasken und Schutzausrüstungen in Deutschland zu fördern. Haben Sie solche Mittel beantragt? Wir stehen aktuell im Austausch mit der Regierung und haben vor, einen Antrag zu stellen, wenn dies möglich ist. Sicher ist das nämlich noch nicht. Auch die Höhe der Summe, die uns gegebenenfalls zustehen würde, kann ich noch nicht absehen.

Sehen Sie in Masken ein langfristig lohnenswertes Geschäftsmodell?
Ich hoffe es. Und ich gehe davon aus, dass uns das Thema Masken noch dieses und nächstes Jahr begleiten wird. Durchaus denkbar, dass sie künftig auch zu einem neuen Werbeartikel werden. Neben Kugelschreibern, USB-Sticks und Tassen könnten Firmen Masken mit ihrem Logo verteilen.

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